Liebstöckel - der "Ligurische Sellerie"

Wir kennen ihn unter vielen Namen: Maggikraut, Allheilender, Badekraut oder Nussstock. Der Liebstöckel (Levisticum officinale) ist genauso vielfältig, wie seine über 60 fremdsprachlichen Bezeichnungen und Synonyme. Behutsam dosiert verfeinert der Liebstöckel beim Würzen nicht nur Fleisch-, Gemüse-, Quark-, Salat-, Saucen- oder Suppenzubereitungen, sondern auch Getreideküchlein und Füllmassen. Zudem findet er auch in der Spirituosenindustrie bei der Herstellung von Bitterschnäpsen und Kräuterlikören seine Verwendung.

Typisch ist der intensive Maggi-Geruch, den die Pflanze verströmt. Selbst nach dem Kochen schmeckt der Liebstöckel intensiv maggi-ähnlich und außerdem vergleichbar nach Sellerie und Suppengrün. Wer deftiges Essen liebt, für den bietet das Würzkraut die perfekte Ergänzung: Fleischgerichten wie Tafelspitz, Geflügel und Fisch gibt der Liebstöckel einen besonderen Geschmack. Auch die Samen der Pflanze finden in der Küche Verwendung: Kurz angeröstet können sie Reisgerichte verfeinern, man genießt sie so auf dem Butterbrot oder als Snack nebenbei. Außerdem werden die Samen bei der Herstellung von Käse als natürlicher Aromageber hinzugefügt, oder ähnlich wie Kümmel im Backprozess von Brot oder Semmeln verarbeitet. Nur bei der Lagerung sollte man im Hinterkopf behalten, dass die Pflanze gerne von Ungeziefer ins Visier genommen wird – praktisch, dass der Liebstöckel sicher verpackt bei uns in der Dose ruht.

Der Weg des Würzkrauts zu uns in die Küche

Eigentlich stammt der Liebstöckel aus Vorderasien und höchstwahrscheinlich auch aus Persien. Bereits in frühen Kräuterbüchern wurde die Pflanze als Würz-/ und Heilkraut verzeichnet. Heute ist er unter anderem auch im Süden Europas beheimatet, von wo aus die Römer damals im 8. Jahrhundert nach Mitteleuropa brachten und ihn dort verbreiteten. Von der Lateinischen Bezeichnung Ligusticum apium für Ligurischer Sellerie wurde wahrscheinlich durch mundartliche Abwandlungen der Liebstöckel, da er geschmacklich an Sellerie erinnert und einst besonders intensiv in dem norditalienischen Ligurien angebaut wurde. Dort ist er bis heute in der Küche nicht mehr wegdenkbar und dient zum Würzen von Suppen, Saucen und Salaten.

Winterharter Südländer

Trotz seines Herkunftsgebietes ist die Pflanze durchaus robust und winterhart, da sie Temperaturen bis zu -15°C vertragen kann. Dazu bildet der Liebstöckel dichte knollige Wurzelteile aus, die auch als Rhizome bezeichnet werden. Sie dienen als Überdauerungsorgan und haben mit der eigentlichen Wurzel nichts zu tun. Diese Rhizome führen dazu, dass das mehrjährige Gewächs sehr resistent wird und nur selten Krankheiten aufweist. Wenn man den Liebstöckel im eigenen Garten anpflanzt,  sollte man die Pflanze spätestens nach drei Jahren an einen neuen humushaltigen, feuchten und halbschattigen Standort umpflanzen.
Allgemein ist der Liebstöckel an seinen gelben bis gelb-weißen Blüten zu erkennen, die in Doppeldolden wachsen, auf denen sich jeweils bis zu elf Blüten befinden. Die sellerieartige Pflanze kann bis zu zwei Meter hoch wachsen und weist meist hellgrüne, markant gefiederte Blätter auf, die sich durch ihren besonderen Glanz auszeichnen. Die Stängel der Pflanze haben eine geriffelte Oberfläche und sind hohl.

Zur volksmedizinischen Bedeutung

Für medizinische Zwecke können sowohl die Blätter, die Wurzeln und die Samen des Krauts verwendet werden. Insbesondere die Wurzeln enthalten eine Vielzahl an ätherischen Ölen und krampflösenden Inhaltsstoffen. Die Pflanze ist insgesamt ein wahres Allheilmittel und bringt in den verschiedensten Bereichen positive Effekte mit sich: von aphrodisierenden, stoffwechselanregenden Eigenschaften bis hin zu fiebersenkenden und harn- und schweißtreibenden Wirkungen. Somit hat es sich unter anderem bei Blasenentzündungen bewährt, da das Kraut auch entzündungshemmend wirkt. Im Bereich der Frauenheilkunde schaffen die krampflösenden und anregenden Inhaltsstoffe Linderung bei Menstruationsbeschwerden. Zudem findet man den Liebstöckel als Hilfsmittel bei Hautproblemen: hierbei werden Ekzeme und Pickel in Tinkturen aus Liebstöckel behandelt.

Kurioses-Liebstöckel-Know-how

  • Trotz des kräftigen, maggi-artigen Geruchs des Liebstöckels, soll die bekannte Maggi-Würze, die der Schweizer Julius Maggi 1886 entwickelte, angeblich kein Liebstöckel enthalten. Stattdessen beinhaltet es ein schonend aufgeschlossenes Maiseiweiß, das mit Gemüse-, Kräuter-, Pilzauszügen, Salz und Glutaminsäure angereichert wurde.

  • Nach übermäßigem Alkoholgenuss empfiehlt es sich, aus den Blättern oder der Wurzel der Pflanze einen Tee zu kochen, da dieser entgiftet wirkt

  • Mystischen Geschichten nach zufolge soll das Würzkraut einen vor bösen Zaubern schützen und der Glaube bestand, Hexen erkennen zu können, wenn man das Kraut bei sich trug

  • Angeblich wurde der Liebstöckel auch für Liebeszauber verwendet

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